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Montag, 15. Juni 2015

Interview mit Klaus Fehlemann zum Baukunstarchiv

Neue Nutzung im Alten Museum am Ostwall: 2017 zieht das Baukunstarchiv NRW ein. Der ehemalige Stadtdirektor Klaus Fehlemann, Gründungsbeauftragter des zugehörigen Fördervereins, erklärt die Hintergründe und gibt einen Ausblick auf die mit hohen Erwartungen verbundene Einrichtung.

Herr Fehlemann, wie kam es zu der Idee, ein Baukunstarchiv in NRW zu gründen?

Die Idee eines zentralen Baukunstarchivs für das Land NRW wird seit 2007 verfolgt, um die Dokumente seiner reichhaltigen Baugeschichte für die Zukunft zu sichern. Es stand schon einmal in der Realisierungsdiskussion als Kulturhauptstadtprojekt 2010 mit Standort in Essen.

Was genau macht das Baukunstarchiv?

Das Baukunstarchiv NRW hat die Aufgabe und das Ziel, Vor- und Nachlässe aus den Bereichen Architektur, Innen- und Landschaftsarchitektur sowie des Städtebaus und Ingenieurbaus zu bewahren, zu sichern und wissenschaftlich aufzuarbeiten, der Öffentlichkeit sowie der Forschung und Lehre zu dienen. Die Bestände werden auch in Ausstellungen, Vorträgen und Aktionen präsentiert.

Und warum gerade in Dortmund?

Dortmund ist mit zahlreichen Architektur-, Städtebau-, Bauingenieurs- und Raumplanungsstudiengängen bereits ein Zentrum der Baukultur in der Hochschulbildung. Mit dem 1995 an der TU Dortmund gegründeten Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst NRW, kurz A:AI genannt, gibt es bereits seit 20 Jahren eine Einrichtung, die sich mit inzwischen über 60 Nachlässen namhafter Architekten und Bauingenieure bestens als Grundstock für das landesweite Baukunstarchiv eignet. Es war ausdrücklich die Forderung der jetzigen Rektorin Prof. Dr. Ursula Gather, diese Sammlung nicht an einem anderen Standort in Nordrhein-Westfalen abzugeben. Die Sammlung, das leerstehende Alte Museum am Ostwall sowie eine Förderungsmöglichkeit des Landes Nordrhein-Westfalen zur Revitalisierung des Hauses waren drei Trumpfkarten für den City-Standort Dortmund.

Wer waren die entscheidenden Akteure, um das Ziel zu erreichen?

Sieben Institutionen – die Architektenkammer NRW, die Stiftung Deutscher Architekten, die Ingenieurkammer-Bau NRW, die Stadt Dortmund, das Bauministerium NRW, die Technische Universität Dortmund sowie der Förderverein für das Baukunstarchiv NRW – haben sich gemeinsam auf den Weg gemacht, dieses Ziel zu erreichen. In Dortmund hat die Bürgerinitiative „Das bleibt!“ mit vielen öffentlichkeitswirksamen Aktionen für den Erhalt des Gebäudes auch einen Beitrag geleistet. Der Platz dieses Interviews wird nicht reichen für alle Persönlichkeiten, Vereine und Institutionen, die sich für Verwirklichung der Idee eines Baukunstarchivs NRW im Alten Museum am Ostwall eingesetzt haben, zu erwähnen. Die Wand des Dankes an geeigneter Stelle im Baukunstarchiv wird dieses tun.

Am 11. Dezember 2014 gab es einen Beschluss des Rates der Stadt Dortmund, das Alte Museum am Ostwall für den Zweck des Baukunstarchivs zur Verfügung zu stellen. An dieser Stelle möchte ich allen Ratsdamen und -herren danken. Mein besonderer Dank geht an den Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, der sich in den zurückliegenden Jahren immer für dieses Projekt ausgesprochen hat.

Welche Vorteile und welchen Nutzen bringt das Archiv für die City?

Im Alten Museum am Ostwall wird ein lebendiges und offenes Haus der Baukultur entstehen. Der zentrale Lichthof mit seinen umgebenden Galerien wird ein öffentlicher Veranstaltungsort für Vorträge, Ausstellungen und Aktionen. Berufsverbände werden dieses Haus beleben, ein Gründerzentrum für junge Architektur und Ingenieurbüros wird die Baukultur in die Zukunft tragen.

Der Begriff Archiv klingt ja nicht unbedingt besucherfreundlich. Was kann man sehen?

Ein Baukunstarchiv ist ein „Kunstmuseum der Baukultur“, unter anderem mit Planzeichnungen, Modellen, Briefen, Akten, Foto- und Filmmaterial. Eine gut bestückte Bibliothek mit Fachliteratur ist ein weiterer Höhepunkt. Diese Bestände stehen interessierten Bürgerinnen und
Bürgern, Forschenden und Studierenden für Recherchen zur Verfügung. Mit einem Schaulager wird das Archiv selbst zum Ausstellungshaus und damit ein weiterer Baustein des „Kultur-Wallrings“. Diese Infrastruktureinrichtung in zentraler Lage wird die Attraktivität der Innenstadt
steigern und eine bundesweite Ausstrahlung haben.

Wie und von wem wird das Archiv betrieben und wann wird es eröffnet?

Die Architektenkammer NRW, die Stiftung Deutscher Architekten, die Ingenieurkammer-Bau NRW und der Förderverein für das Baukunstarchiv NRW gründen eine gGmbH, die das Archiv ohne Kosten für die Öffentlichkeit betreiben wird. Die TU Dortmund wird die  wissenschaftliche Leitung beisteuern. Die Eröffnung des Baukunstarchivs ist für Anfang 2018 vorgesehen.

Welche Wünsche haben Sie für die nächsten Jahre?

Grundsätzlich soll die jetzige Zwischennutzung mit Ausstellungen und Tagungen zur Baukultur, die bis 2017 vorgesehen ist, das Haus mit seinen Aufgaben schon einmalöffentlich positionieren. Ich wünsche mir, dass die Revitalisierungsideen für den Bau keine Schwierigkeiten
bereiten, die Baukosten richtig geschätzt wurden und alle zugesagten Hilfen auch Realität werden. Mein größter Wunsch ist aber, dass alle Akteure die Eröffnung des Hauses Anfang 2018 gesund und beglückt erleben.

Wie können Interessierte das Baukunstarchiv NRW in Dortmund unterstützen?

Das Einrichtungshaus Wim Gelhard hat ja schon mit der Plakatwand gezeigt, welche Ideen es gibt. Zurzeit arbeiten wir an einem Sachspendenkatalog, der Bürgerinnen und Bürgern sowie der Wirtschaft viele Möglichkeiten der Unterstützung aufzeigt. Unser größter Wunsch ist es, dass viele dem Förderverein beitreten und das hierfür nötige Informationsmaterial an vielen Stellen in der City öffentlich ausgelegt wird. Unsere finanziellen Zusagen für das Projekt müssen in den nächsten tausend Tagen erfüllt werden. Hierfür wären 200 zusätzliche Mitglieder eine beruhigende Grundlage.

Zur Person

Klaus Fehlemann, Architekt und Stadtplaner

  • Beigeordneter für Infrastruktur und Liegenschaften von 1991 bis 2007 sowie Stadtdirektor der Stadt Dortmund von 2000 bis 2007
  • seit 2011 Unterstützer der Idee eines Baukunstarchives in Dortmund
  • seit 2015 Gründungsbeauftragter des Fördervereins für das Baukunstarchiv NRW in Dortmund
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